Kein nachhaltiger Frieden
ohne Glauben - Teil 1

Ein Appell an alle Entscheidungsträger dieser Welt

CORONA-PANDEMI UND DER GLAUBE AN DAS LEBEN NACH DEM TOD STERBEN ALS REALITÄT UND DANACH…?

Die Pandemie als schwere Prüfung​

Die Menschheitsgeschichte kennzeichnet sich in den letzten Monaten und Wochen von Ereignissen, die noch nie dagewesenen Ausmaßes sind. Der Menschheit ist großer immaterieller und materieller Schaden entstanden, abgesehen vom Tod hunderttausender Menschen.

Wir mussten in unserem täglichen Leben auf viel Gewohntes verzichten und viele Einschnitte hinnehmen und standen vor der Wahl uns zwischen „zwei Übeln“ zu entscheiden.

Die Pandemie ist eine schwere Prüfung, die wohl noch eine ganze Weile anhalten wird und es herrscht Unsicherheit darüber, wie es weitergeht.

Frieden schaffen mit dem Glauben an ein Leben nach dem Tod

Jetzt ist es an der Zeit, die richtigen Schlüsse und Lehren aus dieser Corona-Pandemie zu ziehen. Das nachzuholen, was wir vielleicht versäumt haben in einer schnelllebigen Welt, uns beispielsweise mehr Zeit zu nehmen für unsere Familie, unsere Kinder und die Menschen, die uns wichtig sind. Jetzt ist es an der Zeit und noch wichtiger denn je, an und über unsere Menschlichkeit nachzudenken.

Weder der sogenannte technische Fortschritt – sei es wirtschaftlich oder mechanisch interpretiert  – noch alle neuen Entdeckungen der Menschheit weisen hier einen Weg, wie die Sehnsucht des Menschen nach Unsterblichkeit zu erfüllen sei. Kein System der Welt ist in der Lage, dem Menschen die Angst vor dem Tode zu nehmen und diese ewige Sehnsucht zu stillen.

Und wir brauchen Frieden, auch diesseits, um leben zu können. Frieden zu schaffen – dies gelingt nachhaltig mit einem Glauben an ein Leben nach dem Tod.

Der Mensch will diese Welt nicht verlassen

Es ist wichtig nicht nur das Gewissen des Einzelnen zu schärfen, sondern auch das Gewissen der existierenden Gesellschaft. Wir gehen davon aus, dass die heutige Gesellschaft sich in einer ideologischen Krise befindet und daher einer fundamentalen Veränderung und inneren Stabilität bedarf.

Die Buchreligionen verheißen dem Menschen das ewige Leben. Dieses Glauben impliziert, dass er wieder auferstehen wird. Wenn man diese Verheißung mit Verstand und Logik angeht, werden wir feststellen, dass sie mit dem inneren Verlangen des Menschen übereinstimmt. Der Mensch will diese Welt nicht verlassen. Dem stehen allerdings die bestehenden Naturgesetze entgegen.

Gleichwohl wäre es ein Irrtum, davon auszugehen, dass der von Gott so kunstvoll erschaffene und mit hervorragenden Eigenschaften ausgestattete Mensch, einer ewigen Vernichtung anheim fallen würde.

Wenn wir uns fragen: „Möchtest du eine Millionen von Jahren leben und diese Welt regieren, aber dafür aufhören, zu existieren oder möchtest du ewig leben, aber ein normales und schwieriges Leben haben? Ich sah, dass meine Vorstellung das Letztere wünschte, da sie angesichts des Ersteren Schmerz empfand.“ (Nursi, 11. Lichtstrahl)

Im Inneren des Menschen sind derartige Wünsche und Begierden vorhanden, ihre Erfüllung jedoch ist in diesem irdischen Leben unmöglich.

Unsere Vernunft geht davon aus, dass es für den Menschen ein anderes Reich gibt, in dem die menschlichen Wünsche nach einem ewigen Leben erfüllt werden können. Entweder dürften diese Wünsche in ihm nicht existieren, oder es muss ein anderes Reich existieren, in dem die Verwirklichung des ewigen Lebens vollzogen wird.

Muss ein anderes Reich existieren, in dem die Verwirklichung des ewigen Lebens vollzogen wird.

Es ist logisch, verständlich und offenkundig, dass diese Welt für den Menschen ein Ort der Prüfung ist. Er wird daher für seine Taten, seien sie gut oder böse, zur Rechenschaft gezogen werden.

Diese Corona-Pandemi ist schlimm, aber sie hat uns auch gezeigt, dass schlimme Situation nicht nur Schlimmes zur Folge hat, sondern auch Gutes entstehen kann.

Durch dieses unsichtbare Virus haben wir unsere menschlichen Grenzen erkannt. Im Falle eines natürlichen Todes ist die Einstellung des Menschen klar. Aber vor einem Sterben, das auch so allgegenwärtig ist in der Corona-Zeit und es jeden treffen kann, davor hat jeder Angst.

Wir hoffen, dass diese Pandemi zu Ende gehen wird und wir beten dafür.

Wir appellieren!

Wir appellieren daher an die Entscheidungsträgerinnen und -träger und Politikerinnen und Poltiker, alles zu tun, um die Sehnsucht der Menschen nach einem ewigen Leben zu unterstützen. Denn aus dieser Sehnsucht entsteht persönliche Verantwortung, die dazu befähigt, Lösungen für die Probleme dieser Welt zu finden. Besteht der Mensch etwa ausschließlich aus seinem Magen? Ist es lediglich seine ureigendste Aufgabe seinen Magen zu stopfen? Besteht das Glück für den Menschen nur darin, seine Wohnstätte möglichst komfortabel einzurichten…?

Wenn dem so wäre, dann wäre das Leben ohne Hoffnung. Die Sicherung des materiellen Glücks vermag den Tod nicht aufhalten.

Das menschliche Leben und seine Fähigkeiten sollten nicht unter materiellen Gesichtspunkten betrachtet werden. Darüber sollten die Verantwortlichen nachdenken, um vor diesem Hintergrund zu Lösungen für die zahlreichen Probleme der Menschheit zu gelangen.

Gerade die Massen- und Sozialmedien sind geeignet, die auf diese Weise gefundenen Lösungen für die gemeinsamen Probleme an breite Schichten der Menschheit zu vermitteln.

Falls die Politikerinnen und Politiker sich jedoch dieser Verantwortung entziehen, dann stehen sie der Zukunft der Menschheit entgegen, um den Preis eines kurzfristigen materiellen Glücks.

Der Mensch braucht mehr als das diesseitige Glück und kurzfristiger Frieden

Der Mensch braucht eben mehr als ihm das diesseitige Glück und kurzfristiger Friede zu gewähren vermögen. Er benötigt vor allem die Möglichkeit Wissen zu erlangen und die Fähigkeit das diesseitige Leben als eine Prüfung Gottes anzunehmen.

Es wäre daher Aufgabe der Verantwortlichen auf dieser Welt, auf internationalen Konferenzen, diese Probleme zu thematisieren. Konferenzen, auf denen sich Politiker, Wissenschaftler und Theologen austauschen und äußern können. Die Lösungen für die Menschheitsprobleme sind eine gemeinsame Aufgabe und können von den einzelnen Disziplinen nicht alleine bewältigt werden. Gerade in diesen Fragen ist die Zeit für derartige Konferenzen reif.

Wir Muslime der (Jama’at-un Nur e.V.) sind bereit, uns in diesen Prozess aktiv mitzuwirken und unsere Ansichten mit einzubringen.

Jenseits von nationalen und religiösen Unterschieden; rufen wir alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Theologinnen und Theologen, sowie Politikerinnen und Politier auf, sich dieser Aufgabe im Dienste der ganzen Menschheit nicht zu entziehen.

Unser Beitrag für den Frieden basiert auf den Lehren des Denkers und Gelehrten Bediüzzaman Said Nursi.

 

Rüstem Ülker
Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft Jama’at-un Nur